Tragik um Feuer im Zoo Krefeld

Wie mittlerweile fast jeder mitbekommen haben dürfte, hat es in der Silvesternacht im Affenhaus des Zoo Krefeld einen Brand gegeben, der durch verbotene Himmelslaternen ausgelöst wurde. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern ab und etwa 30 Tiere starben in den Flammen, darunter ein Schimpanse, 2 Gorillas, 5 Orang-Utans sowie einige Zwergseidenäffchen, Goldene Löwenäffchen, Zwergagutis, frei fliegende Vögel und seltene Flughunde.  Wie durch ein Wunder überlebten die Schimpansen Bally und Limbo in einem Seitengang des Hauses und wurden mit kleineren Verbrennungen bei den Löscharbeiten gerettet.
Für mich selbst war die Nachricht ein Schock, da ich den Zoo schon oft besucht habe und die Tiere kannte. Vor allem die junge Orang-Utan-Familiengruppe war mir ans Herz gewachsen und der Verlust der Jungtiere, die erst 9 und 3 Jahre alt waren, schmerzt mich besonders. Ich fühle sehr mit den Tierpflegern die ihre Schützlinge jeden Tag betreuten und seit Jahren bzw. Jahrzehnten kannten.
changi
Changi, der 2000 geboren wurde und bei dem Feuer starb
So schlimm diese Tragödie auch war, so unverhältnismäßig waren manche Reaktionen die auf diese Nachricht folgten.
Obwohl der Zoo sehr schnell klar stellte, dass der Brand nicht hätte verhindert werden können, und dass die Feuerwehr den Brandschutz noch Monate zuvor kontrolliert und für gut befunden hatte, gab es wie üblich wenn es um Zootierhaltung geht, viele unpassende Kommentare in den sozialen Medien.
Facebook-User forderten, keine Affen mehr zu halten; kein neues Affenhaus mehr zu bauen; hinterfragten die Tatsache, dass das Affenhaus zwar niederbrannte, umliegende Bäume aber nicht betroffen waren; es gab Spekulationen und regelrechte Verschwörungstheorien, das Feuer sei absichtlich gelegt worden oder aber die Tiere seien zuvor aus dem Haus entfernt worden, da es ja keine Beweisfotos der verbrannten Kadaver gäbe.
Drohungen gegen den Zoodirektor und Anschuldigungen, das Affenhaus hätte Rauchmelder und Sprinkleranlagen haben müssen, kamen ebenfalls haufenweise vor, obwohl der Zoo schon erklärt hatte, dass solche Anlagen im Affenhaus wegen der dortigen Feuchtigkeit und des Staubes vom Stroh nicht funktioniert hätten.
Hohn und Spott wurden mit einem geschmacklosen Post auf die Spitze getrieben in dem ein User zu einem Schimpansenfoto schrieb „gegrillte Affen, 4,99 Euro das Kilo.“

Sogar am Ort der Trauer vor dem Zoo, wo hunderte Betroffene Kerzen aufstellten und Kuscheltiere oder Blumen niederlegten, nutzten Tierrechtler die Gelegenheit ihre Anti-Zoo Hetze zu verbreiten. So forderte ein Zettel der mit „Tierheim Bergheim“ und „Bund gegen Missbrauch der Tiere“ unterschrieben war, die Zootierhaltung generell zu hinterfragen und das Affenhaus nicht neu zu erbauen, sondern den entstandenen Platz anderen Tieren des Zoos zur Verfügung zu stellen.
Ich frage mich: Wie kann ein Tierheim, das selbst Tiere hält und pflegt, sich in so einem Moment gegen den Zoo richten? Ob sie so empathielos sind, sich nicht vorstellen zu können wie sie sich in so einem Moment als Tierpfleger fühlen würden, wenn etwa das Katzenhaus des Tierheims abbrennen würde und jemand würde am Ort der Trauer um verbrannte Katzen einen Zettel hinlegen auf dem steht „Bitte baut das Katzenhaus nicht wieder neu auf sondern gebt den entstandenen Platz euren Hunden.“?

Sogar ein Hersteller von Himmelslaternen nutzte die Tragödie, um angeblich sichere Himmelslaternen anzupreisen, obwohl diese in Deutschland seit 10 Jahren verboten sind. Selbst ein Shitstorm bewegte die Firma nicht, sich zu entschuldigen.
Außerdem sind nun falsche Spendensammler unterwegs, die vorgeben, für den Krefelder Zoo Geld zu sammeln! Die Polizei warnt davor und empfiehlt, direkt an den Zoo zu spenden.

Bei all dem Wahnsinn gibt es zum Glück auch Stimmen der Vernunft, die dagegen halten und mit Fakten argumentieren.
Kerstin Ternes, Zootierärztin im Zoo Duisburg, und  Dirk Fußbahn, Leiter der Wildtierauffangstation in Fiel etwa finden passende Worte.
Der Kommentar von Matthias Reinschmidt, Zoodirektor im Zoo Karlsruhe, besagt unter Anderem, dass von 1 Millionen Orang-Utans in freier Wildbahn nur noch 50.000 übrig blieben durch Abholzung und Wilderei. Statt weniger Orangs zu halten, müsste man noch mehr Tiere halten, um die Art weiter erfolgreich zu züchten und damit vor der Ausrottung zu bewahren.
Zu dem Feuerwerk schlägt er „eine Sicherheitszone um Zoos“ vor, die ich auch sehr begrüßen würde. Auch wenn in diesem Fall Himmelslaternen den Brand auslösten, wäre es für alle Zootiere weltweit sicherlich gut, wenn rund um Zoos gar nicht mehr geknallt werden dürfte. Die Geräusche der Böller alleine machen vielen Tieren schon Angst, von der Brandgefahr ganz zu schweigen.
Einen ausführlichen Beitrag zu den unpassenden Kommentaren von PETA und anderen Tierrechtlern und was dem entgegenzusetzen ist, findet ihr bei zoos.media.
Eine sachliche und fachliche Klarstellung zu den Brandschutzverordnungen hat Wiebke Thönißen hier gepostet.
Einen Grund zum Schmunzeln lieferte dagegen Jürgen Ortmüller, ein Steuerberater der regelmäßig Delfinarien attackiert und Behauptungen verbreitet sogar wenn diese schon Jahre zuvor von Experten widerlegt wurden. Diesmal nutzte Ortmüller die Tragödie, um den Zoo Krefeld und die Affenhaltung zu kritisieren obwohl das nichts mit seinem „Wal- und Delfinschutzforum“ zu tun hat. Details zu seinen Aussagen und Anmerkungen dazu lest ihr hier bei dolphinaria.truth .

Der Zoo Krefeld hat auf seiner Webseite inzwischen berichtet, wie es den überlebenden Schimpansen geht und was für die verstorbenen Tiere angedacht ist.

Das Wichtigste habe ich mir für den Schluss aufgehoben.
Wer dem Zoo Krefeld helfen möchte, demnächst ein neues Affenhaus zu bauen um weiterhin bedrohte Arten nachzüchten zu können, und Besucher über die Bedrohungen für diese Tiere aufzuklären sowie wichtige Forschungsprojekte etwa zu Verhalten oder Intelligenz der Tiere durchführen zu können, der kann hier direkt an den Zoo spenden:

Zoo Krefeld gGmbH
Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 10 3205 0000 0000 4271 53
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

Zoofreunde Krefeld e.V.
Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 42 3205 0000 0000 3177 43
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

 

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