Delfinarium Duisburg – Ein Erfolgsmodell

Heute möchte ich hier das Delfinarium des Zoo Duisburg vorstellen und erklären, warum es so besonders ist.
Das damalige Delfinarium wurde 1965 gebaut und war eines der ersten Delfinarien im Binnenland, ohne direkten Anschluss ans Meerwasser. Das Wasser wurde mit vielen Säcken Salz künstlich erzeugt. Zuerst gab es nur eine Traglufthalle in der die aus Florida importierten Tümmler in einem eher kleinen Becken dem Publikum ihre Sprünge präsentierten. Schon 1968 wurde den Tieren dann ein festes Gebäude gebaut und das alte Becken diente den in Kanada gefangenen Belugawalen und aus Südamerika importierten Jacobitadelfinen als neue Heimat.
ferdinand Infotafel am Delfinarium
Überhaupt war Duisburg ein Vorreiter in Sachen Delfinhaltung. Neben Großen Tümmlern, Belugas, Schweinswalen, Jacobitas und Sotaliadelfinen wurden – bis heute – Amazonasflussdelfine gehalten.
Während bald auch andere Zoos nachzogen (Nürnberg eröffnete sein Delfinarium 1971 und viele Freizeitparks wie Phantasialand, Heidepark Soltau, Hansaland Sierksdorf und Europapark Rust hatten eine Delfinshow) war Duisburg der einzige Zoo in Deutschland der Jacobitas und Flussdelfine hielt.
20180826_175202
Baby der einzige Flussdelfin außerhalb Südamerikas
Der damalige Zoodirektor Dr. Gewalt hatte in langen Fangexpeditionen die drei Belugas, fünf Flussdelfine und über 15 Jacobitas selbst gefangen und nach Duisburg gebracht, während die Sotaliadelfine aus Nürnberg kamen und die ersten Tümmler aus Florida, später auch über Händler und andere Parks aus Kuba und Mexiko.
Damals waren Wildfänge durchaus erlaubt, trotzdem versuchte man früh, die Delfine im eigenen Beckensystem nachzuzüchten. Dafür stand den Tümmlern im Gebäude von 1968 allerdings nur ein 500.000 Liter fassendes Showbecken plus ein kleines Becken zum Separieren kranker Tiere zur Verfügung.
Hatte eine Delfinmutter ein Baby geboren, musste das Delfinarium für Besucher geschlossen werden, um das empfindliche Immunsystem des Kalbes nicht zu gefährden, außerdem war es schwierig, die anderen Delfine über Monate von Mutter und Baby zu trennen, so dass es auch zu Unfällen kommen konnte wenn die adulten Tiere ihre Rangordnung regeln wollten und das Kalb zwischen die Fronten geriet.
1995 wurde dann ein neues Gebäude neben dem alten errichtet, das wesentlich größer ist und den Delfinen 3 Millionen Liter Meerwasser eröffnete mit einem Showpool der bis zu 5,6 Meter tief ist und zwei Backpools von denen einer über einen schmalen Kanal in den alten Showpool mündet. So stehen den Tümmlern nun statt 0,5 plötzlich 3,5 Millionen Liter Wasser zur Verfügung. Im abtrennbaren alten Showpool können die Delfinmütter nun ungestört ihren Nachwuchs aufziehen, während gleichzeitig im neuen Gebäude die Vorführungen für Besucher weitergehen können.
Auch das Filtersystem war eine Innovation der Duisburger, hier kamen erstmals moderne Eiweißabschäumer und Ozonfilter zum Einsatz. Die Anlage steht auf Stoßdämpfern in einem Unterwasserraum neben der Beckenanlage und verhindert damit, dass die Geräusche für die Delfine im Becken zu hören sind.
IMG_7528 Delphi und Tochter Debbie
Gerade die Delfinhaltung wird von Tierrechtlern immer wieder kritisiert, besonders wenn geborene Delfinbabies sterben, obwohl auch in der Wildnis über 50% aller geborenen Delfinbabies versterben.
In Duisburg wurde schon 1988 das erste Kalb erfolgreich großgezogen, der Bulle namens Duphy starb erst 1999 an einer Erkrankung.
Danach gab es immer wieder erfolgreiche Geburten, 1992 das Weibchen Delphi, 1996 das Weibchen Daisy, deren Mutter Pepina 1994 aus dem kleinen Pool des Freizeitparks Hansaland Sierksdorf importiert worden war.
Auch der Zuchtbulle Ivo wurde 1999 aus einem kleinen dunklen Becken in Antwerpen übernommen. Das waren die letzten Importe die ursprünglich noch der freien Wildbahn entnommen worden waren. Alle anderen Tümmler in Duisburg stammen aus der eigenen Zucht. 2007 gab es gleich zweifachen Nachwuchs, denn Pepina und Delphi brachten Donna und Dolly zur Welt.
2011 dann ein neuer Rekord, als Pepina, Delphi und Daisy Nachwuchs hatten in Diego, Dörte und Darwin.
Donna und Dolly leben mittlerweile in Nürnberg, Diego und Darwin auf Lanzarote.
Dörte ist noch in Duisburg zu sehen neben ihrer jüngeren Schwester Debbie die 2015 geboren wurde und Pepinas Nachwuchs von 2016, Dobbie.
Nachfolgend der Stammbaum mit Fotos aller in Duisburg lebender Delfine:
stammbaum
Die Erklärung für die zunehmenden Zuchterfolge liegt natürlich in dem zunehmenden Wissen über Delfine, das dank deren Haltung weltweit zu enormen Erkenntnissen geführt hat, die man im oft trüben Meerwasser an scheuen, den Mensch meidenden Wildtieren nicht erhalten könnte. So wurde in Delfinarien herausgefunden, dass Delfine sich im Spiegel erkennen, einen Signaturpfiff haben, der so etwas wie ihren eigenen Namen darstellt, und durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen konnte die Entwicklung des Embryos besser verstanden werden.
Auch die Tierärzte lernen täglich Neues über ihre Schützlinge hinzu und die Forschung an den Kälbern mit täglichem Wiegen, Vermessen und Blutuntersuchungen rettete vielen von ihnen das Leben.
Ein Großteil dieser Forschung, im kontrollierten Umfeld des klaren Beckenwassers durchgeführt, kann nun auch wilden Delfinen zugute kommen, etwa wenn diese nach einer Strandung erkrankt gerettet werden und von Delfinarien vorübergehend versorgt werden müssen oder wenn man Sender an wilden Delfinen anbringt um ihre Wanderwege besser zu verstehen.
In Duisburg fand und findet viel Forschung statt, etwa zur Echoortung der Tümmler.
Selbst in der täglichen Vorführung kann man sehen, dass die Behauptung der Delfinariengegner, Delfine würden ihr Echolot im Becken nicht nutzen können, da es von den Wänden abprallen würde, nicht der Wahrheit entspricht, denn Ivo werden mit Saugnäpfen die Augen abgedeckt und er taucht dann „blind“ einen zuvor versenkten Gummifisch zurück an die Oberfläche den er jedesmal zielsicher mit Hilfe seines Echolots aufgespürt hat:
IMG_8440
Das Delfinarium ist auch Ort der Edukation für die Bevölkerung. Während in der Vorführung hauptsächlich Anatomie und Fähigkeiten der Delfine erklärt werden, informieren zahlreiche Plakate im Gebäude zusätzlich zu Überfischung, Plastikmüll im Meer, Walfang und andere Gefahren für wilde Delfine:
schild3
Beispiele für aktuelle Forschung im Duisburger Delfinarium findet ihr hier:
Geben sich Delfine Namen?Video!
und am Flussdelfin:
Forschung für Flussdelfine
Augenultraschall am FlussdelfinVideo!
Weitere aktuelle Forschung an Delfinen in Delfinarien:
„Fitbit“ an Delfinen
All dies zeigt, wie wichtig das Duisburger Delfinarium ist. Für die Bildung der Bevölkerung, für die Forschung und damit den Artenschutz aber auch für die Region Ruhrgebiet, denn viele Besucher des Zoos kommen von weit her, oft auch aus dem Ausland, um die Delfine in Duisburg zu sehen. Als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und Tourismusmagnet ist das Delfinarium nicht zu unterschätzen und seine lange Geschichte und erfolgreiche Zucht macht es zu einem echten Erfolgsmodell.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s