Grundlagenforschung im Zoo

Ich möchte heute einige Beispiele für Grundlagenforschung im Zoo nennen, da von Tierrechtlern immer wieder behauptet wird, Zoos würden keine Forschung oder keinen Artenschutz betreiben.
Zunächst einmal eine Definition: Was ist eigentlich Grundlagenforschung?
Die Grundlagenforschung ist eine wissenschaftliche Untersuchung die ein Elementarwissen für weitergehende Forschung schafft.
Sie ist die Basis für Erkenntnisgewinn und Fortschritt, während die angewandte Forschung zielorientiert ist und ein festes Vorhaben verfolgt.
Die Grundlagenforschung ist immer die Voraussetzung für die angewandte Forschung.

Fast alle Zoos sind in die Grundlagenforschung über Tiere involviert.
Im Nachfolgenden einige Beispiele von vielen:
Der Zoo Duisburg schreibt auf seiner Webseite, dass biologische Forschung wichtig ist, um das Wissen über Tiere zu erweitern. So ist etwa das Immunsystem der Delfine oder die Reproduktion der Wombats wenig erforscht, einige Arten im Freiland sind sogar gar nicht erforscht.
(Wer sich die rote Liste bedrohter Arten der IUCN ansieht, stellt fest, dass bei vielen Arten nicht einmal bekannt ist, ob ihr Bestand zu- oder abnimmt oder wie groß er insgesamt ist!)
Manches an Untersuchungen ist nur in einem Zoo möglich, wie etwa Hormonstudien von Elefanten oder Ultraschall von Delfinen um die Embryoentwicklung sichtbar zu machen.
Im Duisburger Zoo wurden schon zahlreiche Studien und Doktorarbeiten durchgeführt die in Büchern und Fachzeitschriften publiziert wurden.

Der Zoo Frankfurt  gab 2016 bekannt, dass er in den kommenden 5 Jahren eine Stiftungsprofessur der Goethe-Universität mit 50.000 Euro finanzieren würde.
Die Professur befindet sich im Institut für Ökologie, Evolution und Diversität.
Die drei Hauptthemen der Grundlagenforschung sind
1. die Anpassung von Wildtieren und Zootieren an eine wandelnde Umwelt besonders durch den menschlichen Einfluss,
2. Naturschutz in Zeiten der Globalisierung und
3. Erforschung von Infektionskrankheiten von Wild- und Zootieren.
Der Direktor des Instituts, Professor Dr. Klimpel sagte, dass Menschen und Krankheiten die Wildtiere bedrohen, und dass es daher wichtig sei, Restbestände im Freiland und Reservepopulationen in Zoos wissenschaftlich zu untersuchen.

Ein konkretes Beispiel hierfür ist Giraffe Max im Zoo Berlin.
Er trägt auf dem Kopf einen Sender festgeschnallt für ein Forschungsprojekt im Freiland.
Dieses wird vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ausgeführt.
Es sammelt Bewegungsdaten von Giraffen weil deren Bestände in den letzten 30 Jahren um 40% zurückgegangen sind.
Die Sender sammeln GPS-Daten um die Tiere zu überwachen.
Max wird beobachtet, um zu sehen wann er frisst, läuft oder döst.
Ein Tierpfleger gewöhnte Max mühevoll innerhalb von 10 Monaten an das Halfter damit er es sich mitsamt des Senders freiwillig umschnallen ließ.
Zwei weitere Giraffen in kanadischen Zoos nehmen ebenfalls an der Studie teil.
Die wilden Populationen können dann gezielter geschützt werden, wenn man weiss, wo die Giraffen wann was tun.
Zusätzlich unterstützt der Zoo das Wild Nature Institute  bei einem Schutzprojekt für Massai-Giraffen in Tansania.

Grundlagenforschung im Tiergarten Schönbrunn, Wien:
Wien kooperiert mit der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie. Gemeinsam vergeben sie 5.000 Euro im Jahr aus ihrem „Forschungsfonds für Grundlagenforschung an Amphibien und Reptilien“.
Knapp 1.500 Euro flossen 2017 in Feldstudien an der kroatischen Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi). Hierbei wurde untersucht, wo genau diese in Österreich lebt und bei Funden wurden dann weitere mögliche Nischen gesucht. Das Endresultat war eine Verbreitungskarte entlang der nördlichen Verbreitungsgrenze in Österreich.

Des weiteren wurden 3.200 Euro gespendet für ein Projekt, dass den Geruchssinn (und seine Bedeutung für das Finden von geeigneten Kaulquappen-Kinderstuben) des Pfeilgiftfrosches Allobates femoralis untersucht. Das Experiment sollte zwei Ansätze kombinieren:
Einmal wurden adulte Frösche in unbekanntes Areal gesetzt und einmal Kaulquappen auf ihre Rücken gesetzt um das Trageverhalten auszulösen.
Man möchte wissen ob der Geruchssinn ihnen beim Auffinden von Wasserstellen hilft.
Mit dieser neuen Methode kann man zum ersten Mal im Freiland die Rolle des Geruchssinns für räumliche Orientierung des Frosches erforschen.

2018 finanzierte man mit 2.280 Euro ein Projekt für Schildkröten.
Hierbei wurden drei Arten (Cuora amboinensis, C. galbinifrons, C. mouhotii) auf ihre dorsale Zungenmorphologie untersucht wegen ihrer unterschiedlichen Lebensweisen.
Jeweils eine Art lebt aquatisch, semiaquatisch bzw. terrestrisch.
Die drei Arten fangen und fressen jeweils mit anderen Methoden ihre Beute.
So hat die aquatisch lebende C. amboinensis eine kleine Zunge und saugt die Beute ein. (Saugschnapper). Sie hat auch weniger Schleimdrüsen auf der Zunge.
Die anderen zwei Arten brauchen mehr Schleim um die Nahrung an ihre Zunge zu heften. Nun soll ein Micro-CT die Struktur der Zungenpapillen und Zungendrüsen in 3-D darstellen. Die Ergebnisse dieser Studie können einen Einblick geben in die Evolution der Zunge von nah verwandten Arten.

2018 wurde außerdem 3.022 Euro in die Erforschung des Amphibienpilzes „Bsal“ investiert.
Mit dem Geld wird Bsal in Tirol überwacht, sowohl bei Feuersalamandern als auch Alpensalamandern.
Der Pilz, der mit vollem Namen „Batrachochytrium salamandrivorans“ heisst und auch als Salamanderpest bezeichnet wird, stellt eine große Gefahr für europäische Lurche wie den Feuersalamander dar.
Seit 2013 gibt es einen starken Rückgang von Feuersalamandern.
Wissenschaftler erstellen einen Managementplan für europäische Lurche. Das Ausbreitungsareal des Pilzes und neue Gebiete sollen erfasst werden.
Seit 2016 gibt es ein jährliches Screening des Pilzes in Tirol und ab 2018 ist das auch für die Alpen und den Alpensalamander geplant. Dabei werden auch Hautabstrichproben für weitere Untersuchungen konserviert.
Genetische Variationen der Tiere können für eventuelle Nachzuchtprogramme gesammelt werden. Zudem sollen die Populationsgrößen ermittelt werden um Abnahmen aufhalten zu können bevor es zu spät ist.

Auch in Deutschland breitet sich Bsal weiter aus. Während der Pilz zunächst nur in der Eifel erschien, nahe der Grenze zu Belgien und Limburg, wo er vorher schon aufgetreten war, konnte er im Juli 2017 schon in Essen (NRW) nachgewiesen werden.
Der Pilz befällt die Haut der Tiere, die dadurch Geschwüre bekommen, die wiederum von Bakterien befallen werden. Meist sterben sie dann innerhalb einer Woche.
Der Pilz ist leider so infektiös und hartnäckig, dass er sich auch im Wasser und im Erdboden noch viele Wochen lang hält.
Als erste Vorsichtsmaßnahme wird empfohlen, hohe Hygienestandards einzuhalten.
Biologen, die Proben von Gewässern oder Salamandern nehmen, sollten immer die Kleidung und Schuhe wechseln bevor sie ein anderes Gebiet/Gewässer betreten.
Alles, auch die Transportboxen, Kescher usw. müssen gründlich desinfiziert werden.
Noch gibt es leider keine Heilung. Man muss darauf hoffen, dass die Tiere irgendwann resistent werden.
Mitfinanziert wurden diese Untersuchungen auch vom Zoo Landau.
(Quelle: Zeitschrift für Feldherpetologie, März 2018. Autoren: L. Dalbeck, H. Düssel-Siebert, A. Kerres, K. Kirst, A. Koch, S. Lötters, D. Ohlhoff, J. Sabino-Pinto, K. Preißler, U. Schulte, V. Schulz, S. Steinfartz, M. Veith, M. Vences, N. Wagner, J. Wegge.)

Eine andere interessante Erkenntnis brachte die Grundlagenforschung an Tigern des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung:
Es gibt nur 2 statt 6 Tigerunterarten!
Das ist für die Tiere eine gute Nachricht, da nun Schutzmaßnahmen einfacher werden und Erhaltungszuchtprogramme flexibler.
Das Institut hat Tiger-Datenmaterial erstellt mit dem Nationalmuseum Schottland, Naturhistorischen Museum Kopenhagen und dem Selandia Collage Dänemark.
Sie fanden heraus, dass sich viele Unterarten viel ähnlicher sind als gedacht. Nur zwei sind klar unterscheidbar: Der Sundatiger (P. t. sondaica) und der Festland-Tiger (P. t. tigris), während sich die nördliche Unterart (Amurtiger) von diesem stark von der südlichen (Bengaltiger, Malaysischer usw) unterscheidet.
Daten von 200 Schädeln und Färbung von 100 Fellen wurden mit molekulargenetischen Merkmalen aller Unterarten verglichen (6 lebende und 3 ausgestorbene).
Nur der Sundatiger (Sumatratiger) unterschied sich zuverlässig. Vor etwa 73.000 Jahren brach ein Vulkan auf Sumatra aus wodurch es zu einem Massensterben bei Tigern kam. Es überlebten nur einige in Südchina.
Heute gibt es nur noch weniger als 4.000 Tiger in ganz Asien.
Zuviele Unterarten hatten den Handlungsspielraum für Zucht- und Auswilderungsprojekte reduziert. Manche Populationen waren für den Schutz sogar schon zu stark dezimiert gewesen.
Ziel ist es, die Bestände bis 2022 zu verdoppeln oder wenigstens auf 6.000 Tiere zu bringen und dafür ist genetische Vielfalt wichtig, wegen der besseren Resistenz gegen Keime usw.
Darum ist eine Reduzierung auf 2 Unterarten für Tigerschützer eine gute Nachricht, da sie nun mehr Tiger für die Zucht vermischen können und eine größere Vielfalt erzielen.

Auch für Wassertiere gibt es Grundlagenforschung, so etwa im Aquazoo Düsseldorf, der das Projekt „Quaken für das Klima“ hat. Dieses Zuchtprojekt erhielt bereits den Amphibian Award und zwei weitere Auszeichnungen.
Die Zucht dient der Arterhaltung, Wissenserweiterung und einen besseren „vor-Ort-Schutz“. Dieses Wissen wird vom Zoo auch veröffentlicht.
Partner des Projekts ist die Stiftung Artenschutz, die unter Anderem den Titicaca-Riesenfrosch schützt, was vom Aquazoo mit unterstützt wird.
Auch züchtet der Aquazoo seit 2008 Vietnamesische Moosfrösche, und betreibt Grundlagenforschung zu ihrer Fortpflanzungsbiologie.
Auch züchtet man Rotaugenlaubfrösche und seit 2016 Zagros-Molche, die selten geworden sind.
Im Herbst findet im Aquazoo der Artenschutztag statt, bei dem die Besucher über bedrohte Arten informiert werden.
Ein Projekt des Zoos ist die Wiederansiedelung des Maifisches im Rhein sowie die Erhaltung der Edelkrebse, Tequila-Kärpflinge, Azraq-Kärpflinge und Patzcuaro-Axolotl.
Ein Partner des Zoos ist Yaqu Pacha. Die Organisation engagiert sich für den Schutz wasserlebender Säugetiere in Südamerika.
Der Aquazoo nimmt teil an den europäischen Zuchtprogrammen (EEP) für Schwarzspitzenriffhaie, Spaltenschildkröten, Brillenpinguinen usw. und führt die Zuchtbücher für Gundis, Smaragdwarane, Korallenkatzenhaie und Großpunkt-Stechrochen.

Ein weiterer Zoo, der sich um Wassertiere kümmert, ist der Zoo Rostock.
Er vereinbarte 2017 die Kooperation mit dem IOW.
Das IOW (Leibnitz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde) betreibt Grundlagenforschung zur Funktionsweise des Ökosystems der Küstenmeere.
Es ist ein gemeinsames Quallenprojekt geplant, in dem die Lebensweise, Zucht und Umweltansprüche der Quallen erforscht werden.
Seit einiger Zeit besitzt der Zoo eine erfolgreiche Quallenzucht und steht dabei im Austausch mit Zoo Berlin, Tiergarten Schönbrunn und Enoshima Aquarium in Japan.
Rostock hält Medusen von 10 und Polypen von 20 Quallenarten. Weitere 7 Arten werden im Polarium des Zoos gezeigt.
Häufige Partner des Zoo Rostock bei Forschungsprojekten sind die Universität Rostock, die Hochschule Wismar und die Beuth Hochschule für Technik in Berlin.

Wer jetzt noch glaubt, Zoos würden kein Geld und keine Zeit für den Artenschutz aufwenden, dem ist nicht mehr zu helfen. Professoren, Wissenschaftler, Biologen und Doktoren sind häufige Partner und Gäste von Zoos und arbeiten eng mit ihnen zusammen um unsere Tierwelt zu erhalten, während PETA, WDSF und andere Tierrechtsverbände unsinnige Klagen anstreben, sich nackt auf der Straße räkeln oder Plakate schwingen. Das alles nützt jedoch dem Tierschutz herzlich wenig.
Übrigens: Die PETA gibt selbst zu, nicht für ein Recht auf Leben für Tiere einzutreten, was sie in den USA eindrucksvoll beweisen, wo sie in ihrem „Tierheim“ jährlich tausende gesunde Katzen, Hunde und andere Haustiere einschläfern, anstatt sie zu vermitteln.
Grund ist, dass PETA gegen sämtliche Tierhaltung ist, egal ob es der Arterhaltung dient, der Ernährung oder Unterhaltung.
Solche Verbote können aber nur Leid für beide Seiten bedeuten, ob man jetzt einem Blinden den Blindenhund wegnimmt (wie von PETA gefordert) oder einem Zirkus den Elefanten oder einem Zoo den Delfin oder Menschenaffen.
In allen Fällen bedeutet es eine Verarmung von Wissen und Nähe über bzw zu Tieren.
Da der Mensch aber nur schätzt, liebt und schützt, was er kennengelernt hat, führt die Entfremdung zu Tieren und der Natur dazu, dass der Mensch immer gleichgültiger wird gegenüber diesen. Das Tier wird erneut wie schon im Mittelalter zum Mysterium, entweder vermenschlicht oder verabscheut und verfolgt.
Wenn wir diesen Rückschritt in solche Zeiten nicht wollen, wenn wir Tiere schützen und Arten erhalten wollen, müssen wir uns darum den Zoos, Tierparks, Aquarien, Delfinarien und gut geführten Zirkussen zuwenden und nicht den Tierrechtlern die diese schließen wollen.

 

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