Arassaris – Bunte Beerenfresser

Eine interessante Vogelfamilie ist die der Tukane. Tukane gehören zur Ordnung der Spechtvögel und Arassaris sind eher kleine Tukanarten. Bekannter sind sie als „Pfefferfresser“ was aber nur eine der 23 Arten bezeichnet. Unterteilt sind Arassaris in Kurzschnabeltukane (Selenidera), Grünarassaris (Aulacorhynchos) und Schwarzarassaris (Pteroglossus).
arassaris2
Sie leben in Mexiko, Mittel- und Südamerika, zumeist in tropischen Wäldern.
Trotz illegalem Fang und Lebensraumverlust sind die meisten Arten noch nicht bedroht, nur der Gelbbrauenarassari und der Rotnackenarassari sind derzeit „endangered“ also „stark bedroht“, der Goldtukan ist auf der Roten Liste bedrohter Arten als „near threatened“ also „potenziell gefährdet“ gelistet, alle anderen sind noch auf „least concern“ (nicht gefährdet), doch beim rasanten Abholzen der Regenwälder wird es nur eine Frage der Zeit sein bis weitere Arten in der Gefährdung hochgestuft werden müssen.
Arassaris haben die für Tukane typischen, breiten, bunten Schnäbel.
Sie erreichen eine Länge von 29 – 48 cm und können 95 – 310 Gramm wiegen, im Durchschnitt meist je nach Art 150 bis 250 Gramm.
Die Ernährung besteht hauptsächlich aus Obst, Insekten und Kleintieren wie Eidechsen bis hin zu kleineren Vögeln aber auch Eiern und Küken. Seltener fressen sie auch Blüten und Nektar.
Arassaris legen ihre Eier in Baumhöhlen und bebrüten sie für 14-17 Tage. Die Jungen sind nach 6-7 Wochen flügge.
Mittlerweile kann man Arassaris auch schon im Zoohandel kaufen, es sich aber anspruchsvolle Pfleglinge die nicht leichtfertig erworben werden sollten.
Hier ein informatives Video von Norbert Zajac, in dem sich alles um Arassaris dreht.
Mit gutem Gewissen kann man hingegen Arassaris im Zoo betrachten.
arassaris

Der Weltvogelpark Walsrode hält derzeit 9 Arassariarten, die man seit 2018 als Besucher auch füttern darf. Zu speziellen Fütterungszeiten versammeln sich die Besucher in der Halle „Pukara“ um eine eingezäunte Fläche. Ein Tierpfleger legt Futterpellets und Blaubeeren in die ausgestreckten Hände und öffnet mehrere Volieren. Die Arassaris kommen herausgeflogen und landen auf den Händen der Kinder und Erwachsenen, wo sie die Leckereien bereitwillig aufpicken.
Meine Freunde und ich hatten im Oktober 2018 viel Spaß, als wir daran teilnahmen.
Das bringt einem die sympathischen Vögel noch einmal viel näher.
braunohrarassari25
Braunohrarassari auf meiner Hand
Der Vogelpark hat schon mehrere Arten erfolgreich nachgezüchtet, so etwa den Pfefferfresser, den Braunohr-, Krauskopf-, nördlichen Schwarzkehl- und Grünarassari.
Außerdem werden Blaukehl-, Blutbürzel-, Schwarzkinn-, Hellschnabel- und Braunarassari gehalten.
Wer also eine Fülle an Arassariarten anschauen und sogar einige davon füttern möchte, sollte den Weltvogelpark Walsrode besuchen.

Die Fotos im Artikel sind alle im Vogelpark Walsrode entstanden und dürfen ohne meine Genehmigung nicht benutzt oder anderswo hochgeladen oder geteilt werden.

Werbeanzeigen

Drei kleine Fische

Dieses Mal möchte ich meinen Lesern drei stark bedrohte kleine Fischarten näherbringen, die leider bei den meisten Menschen kaum Beachtung finden.
Winzige Fischarten, die nur wenige Zentimeter lang werden und nicht besonders bunt sind, fallen nicht genug auf und bleiben daher oft unbemerkt.
Aber auch sie sind Teil der Biodiversität und schützenswert.
Zoos wie der Aquazoo Düsseldorf und der Tiergarten Schönbrunn in Wien haben das verstanden und bemühen sich nach Kräften, auch kleine unscheinbare Fischarten vor dem Aussterben zu bewahren.

Der Siamesische Zwergbärbling (Trigonostigma somphongsi) lebt in Thailand in den Flüssen Mae Nam Mae Khlong, Mae Nam Chao Phraya und im Überschwemmungsgebiet des Bangpakong-Beckens. Er gehört innerhalb der Karpfenartigen zu den Bärblingen.
Die kleinen Schwarmfische werden nur 2 bis 3 cm lang, sind gelbbraun und haben goldene und schwarze Längsstreifen.
Sie legen ihre Eier, ca. 70 pro Gelege, unter Blättern von Wasserpflanzen ab.
Daher brauchen sie auch im Aquarium ein reich strukturiertes Becken.
20 Jahre lang galt die Art als verschollen, bis sie im Jahr 2006 im Handel wiederentdeckt wurde. Die Käuferin Uta Hanel erwarb das Männchen und die beiden Weibchen und bemühte sich um Nachzucht.
Da die Art so selten ist, wird sie auf der Roten Liste der IUCN als critically endangered, also vom Aussterben bedroht, geführt mit abnehmendem Trend.
2014 wurde die Art im Freiland wiederentdeckt, wo sie in Reisfeld-Bewässerungskanälen gefunden wurde. Dort legen die Fische auch ihre Eier ab, bevor sie wieder in die großen Flüsse zurückkehren, wo man sie kaum finden kann.
In Deutschland wird die Art nur im Aquazoo Düsseldorf und der Stuttgarter Wilhelma gehalten, drei weitere Zoos im EAZA-Raum bemühen sich um Nachzucht. Diese ist leider bis 2019 im Aquazoo noch nicht gelungen.

Der Azraq-Kärpfling (Aphanius sirhani) lebt nur in der al-Azraq-Oase in Jordanien.
Bedroht ist er dadurch, dass die Oase langsam austrocknet, da die Hauptstadt Amman das Grundwasser der Oase abzapft.
So waren die Azraq-Kärpflinge vor Ort bereits ausgestorben und der Bestand konnte nur durch Nachzuchten immer wieder aufgefüllt werden. Mittlerweile wurden 5% des Feuchtgebietes renaturiert, und die Fische können sich dort wieder vermehren. Weiterhin werden sie aber durch die Zucht in Menschenhand ergänzt.
Männliche Tiere haben schwarzweiße Zebrastreifen am Körper, Weibchen sind blasser.
Eine Nachzucht in Menschenobhut gelingt immer wieder, ist aber schwierig, da die Weibchen ihre Eier fast sofort nach Ablage fressen und auch die Artgenossen gierig auf den Laich sind, daher muss auch das Becken der Azraq-Kärpflinge reich strukturiert sein, damit die Eier in Javamoos und ähnlichen Pflanzen versteckt reifen können.
Nach 6 bis 14 Tagen schlüpft der Jungfisch und versteckt sich zunächst noch vor den Erwachsenen.
Auch diese Art ist in der Roten Liste der IUCN als critically endangered vermerkt.
Die Zucht gelingt vor allem im Aquazoo Düsseldorf und dem Tiergarten Schönbrunn.
Insgesamt wird dieser Fisch nur von drei Zoos der EAZA gehalten.

Der Dritte im Bunde ist die Ameca-Elritze (Notropis ameca), ein noch unerforschterer Fisch als die zuvor genannten. Ich konnte im Internet fast keine Informationen zu ihr finden, da diese Elritze schon 1969 für ausgestorben erklärt wurde. 2001 wurde sie wiederentdeckt. Sie lebt nur im Amecafluss in Jalisco, Mexiko.
Seit 2015 laufen Wiederansiedelungsversuche und einen seltenen Nachwuchserfolg gab es 2018 im Aquazoo Düsseldorf. Einen weiteren Bericht über die geglückte Nachzucht und weitere Erfolge im Zoo findet ihr hier: Nachzuchten in Düsseldorf

Der Aquazoo Düsseldorf bemüht sich generell sehr um den Erhalt bedrohter Arten, von Strahlenschildkröten, bedrohten Fischen und Fröschen bis hin zu Zagros-Molchen oder Chinesischen Krokodilschwanzechsen.
Dafür bekam der Aquazoo schon mehrere Auszeichnungen, wie ihr hier nachlesen könnt: Ehrung für Aquazoo

 

 

Plumploris – Niedlich, aber hochbedroht

Plumploris, kleine Primaten aus Südostasien, haben trotz ihres unvorteilhaften Namens ein niedliches Aussehen: Riesige Augen dank nachtaktiver Lebensweise, ein kuscheliges Fell, winzige Pfoten, runde Öhrchen und eine Knopfnase, außerdem sind die Augen dunkel umrandet, was ihnen ein Panda-artiges Erscheinen gibt:
helene2
Doch leider wird ihnen dieses Aussehen zum Verhängnis, denn dank Internetvideos gefangen gehaltener Plumploris (Artikel von National Geographic: Slow Loris in Pet trade) wollen immer mehr Menschen einen solchen besitzen – Fang und Schmuggel mit den Primaten nimmt zu. Diese sind durch das Abholzen der Regenwälder jedoch eh schon bedroht. Hier kommt der Zoo Dortmund ins Spiel.
Einige seiner Mitarbeiter haben 2018 den Verein Plumploris e.V. gegründet, mit dem Ziel die 8 – 9 Arten Plumploris besser zu erforschen, zu erhalten und zu schützen. Der Zoo Dortmund und der Tierpark Bochum traten später dem Verein bei.
Die Facebookseite des Vereins könnt ihr euch hier anschauen: Plumploris e.V.

Im Zoo Dortmund lebte zu dem Zeitpunkt auch ein Zwergplumplori namens Helene.
Helene wurde am 5.12.2008 im Zoo Krakau geboren und kam im März 2010 nach Dortmund. Sie hat ihr Gehege im Orang-Utan Haus „Rumah Hutan“ und fällt den meisten Zoobesuchern gar nicht auf. Dabei bietet der Zoo auch Nachtführungen an, bei denen man als Besucher Helene und Flori dann auch wach und aktiv erleben kann.
IMG_8545
Gehege der Zwergplumploris in Dortmund
Plumploris sind entgegen früherer Annahmen keine Einzelgänger, sondern leben eher paarweise und interagieren auch in der Wildnis sozial miteinander. 2018 wurde der männliche Zwergplumplori Flori in Leipzig beschlagnahmt, im Oktober nach Dortmund geholt und im November mit Helene vergesellschaftet. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Leider war ein erster Paarungsversuch scheinbar so ungeschickt, dass Helene abstürzte und sich ein Bein brach. Zum Glück verheilte der Bruch schnell und sobald es 2019 wärmer wird, können die beiden wieder von ihrem Winterquartier hinter den Kulissen in ihr Schaugehege im Orang-Utan Haus zurück ziehen. Hier könnt ihr euch den Ruf eines paarungsbereiten weiblichen Plumploris anhören:  Helene whistle

helene4
Auf dem Foto seht ihr die verlängerte Putzkralle, mit denen sie ihr Fell putzen
Der Zoo Dortmund nimmt seinen Bildungsauftrag sehr ernst, so wurden am Gehege neue Infotafeln aufgehängt, es gab im Zoo am 30.9.2018 zum „Plumplori-Tag“ einen Infostand mit Spendensammlung für den Verein und am Gehege steht permanent ein Spendentrichter, in den Besucher Münzen rollen lassen können.
Zudem reist der erste Vorsitzende des Vereins, Marcel Stawinoga, regelmäßig nach Asien um die Auffangstation des ISCP auf Sumatra zu unterstützen. Dort sollen neue Gehege für beschlagnahmte Loris und solche die wieder ausgewildert werden sollen, gebaut werden. Auch bedrohte Schuppentiere, Nias-Beos und andere Vogelarten werden vom ISCP gerettet, behandelt und wenn möglich wieder augewildert.
Die Gefangenschaft ist für die meisten Plumploris schrecklich und kann tödlich enden, denn sie werden oft der Sonne ausgesetzt was ihren empfindlichen nachtaktiven Augen schadet und die meisten Besitzer ernähren sie falsch mit Reisbällchen, zuviel Obst usw.
helene7
Plumploris sind faszinierende Primaten, die 25 Jahre alt werden können und zwei Zungen besitzen! Mit der kleineren unteren Zunge können sie ihre Zähne wie mit einem Kamm von Holzspänen reinigen, die nach dem Benagen von Baumrinde hängen geblieben sind.  Denn die Leibspeise der Plumploris sind Baumsäfte wie etwa das Gummi arabicum, das sie auch im Zoo bekommen. Hier sieht man, wie Helene es vom Finger ableckt:
helene3
Plumploris fressen außerdem Nektar, Insekten, Gemüse und Früchte.
Da sie eine Drüse in den Armbeugen haben, deren Sekret sie mit ihren Speichel mischen können, und das dann giftig ist, sind ihre Bisse für Menschen sehr gefährlich. in seltenen Fällen können allergische Schocks, Durchblutungsstörungen und Herzprobleme auftreten, die tödlich verlaufen können. Gewilderten Plumploris werden daher oft von den Händlern vor dem Verkauf die Eckzähne gezogen. So können nur Tiere mit intaktem Gebiss später wieder ausgewildert werden.
Alle Plumplori-Arten sind mittlerweile stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht und der Handel mit ihnen ist verboten.
Als Tourist sollte man darauf achten, in Ländern wie der Türkei oder Thailand keine Selfies mit gefangenen Plumploris zu machen, da die Tiere meist illegal dorthin geschmuggelt wurden und nicht artgerecht gehalten werden. Man sollte solche Fälle bei den zuständigen Behörden melden.helene5
Es bleibt zu hoffen, dass es dem Plumploris e.V. und den Zoos gelingt, die Tiere vor der Ausrottung zu bewahren und in ihren Einrichtungen erfolgreich nachzuzüchten, damit eine stabile Population in Reservaten erhalten werden kann, durch Wiederauswilderungen von geretteten Tieren und Nachzuchten.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, Helene näher kennenzulernen und zu fotografieren, sowie viele interessante Details über Plumploris zu lernen bei Marcel Stawinoga, dem Zoo Dortmund, und meinen Freunden Lea und Markus.
Ich wünsche dem Plumploris e.V. viel Erfolg bei seiner wichtigen Arbeit.
helene6

Delfinarium Duisburg – Ein Erfolgsmodell

Heute möchte ich hier das Delfinarium des Zoo Duisburg vorstellen und erklären, warum es so besonders ist.
Das damalige Delfinarium wurde 1965 gebaut und war eines der ersten Delfinarien im Binnenland, ohne direkten Anschluss ans Meerwasser. Das Wasser wurde mit vielen Säcken Salz künstlich erzeugt. Zuerst gab es nur eine Traglufthalle in der die aus Florida importierten Tümmler in einem eher kleinen Becken dem Publikum ihre Sprünge präsentierten. Schon 1968 wurde den Tieren dann ein festes Gebäude gebaut und das alte Becken diente den in Kanada gefangenen Belugawalen und aus Südamerika importierten Jacobitadelfinen als neue Heimat.
ferdinand Infotafel am Delfinarium
Überhaupt war Duisburg ein Vorreiter in Sachen Delfinhaltung. Neben Großen Tümmlern, Belugas, Schweinswalen, Jacobitas und Sotaliadelfinen wurden – bis heute – Amazonasflussdelfine gehalten.
Während bald auch andere Zoos nachzogen (Nürnberg eröffnete sein Delfinarium 1971 und viele Freizeitparks wie Phantasialand, Heidepark Soltau, Hansaland Sierksdorf und Europapark Rust hatten eine Delfinshow) war Duisburg der einzige Zoo in Deutschland der Jacobitas und Flussdelfine hielt.
20180826_175202
Baby der einzige Flussdelfin außerhalb Südamerikas
Der damalige Zoodirektor Dr. Gewalt hatte in langen Fangexpeditionen die drei Belugas, fünf Flussdelfine und über 15 Jacobitas selbst gefangen und nach Duisburg gebracht, während die Sotaliadelfine aus Nürnberg kamen und die ersten Tümmler aus Florida, später auch über Händler und andere Parks aus Kuba und Mexiko.
Damals waren Wildfänge durchaus erlaubt, trotzdem versuchte man früh, die Delfine im eigenen Beckensystem nachzuzüchten. Dafür stand den Tümmlern im Gebäude von 1968 allerdings nur ein 500.000 Liter fassendes Showbecken plus ein kleines Becken zum Separieren kranker Tiere zur Verfügung.
Hatte eine Delfinmutter ein Baby geboren, musste das Delfinarium für Besucher geschlossen werden, um das empfindliche Immunsystem des Kalbes nicht zu gefährden, außerdem war es schwierig, die anderen Delfine über Monate von Mutter und Baby zu trennen, so dass es auch zu Unfällen kommen konnte wenn die adulten Tiere ihre Rangordnung regeln wollten und das Kalb zwischen die Fronten geriet.
1995 wurde dann ein neues Gebäude neben dem alten errichtet, das wesentlich größer ist und den Delfinen 3 Millionen Liter Meerwasser eröffnete mit einem Showpool der bis zu 5,6 Meter tief ist und zwei Backpools von denen einer über einen schmalen Kanal in den alten Showpool mündet. So stehen den Tümmlern nun statt 0,5 plötzlich 3,5 Millionen Liter Wasser zur Verfügung. Im abtrennbaren alten Showpool können die Delfinmütter nun ungestört ihren Nachwuchs aufziehen, während gleichzeitig im neuen Gebäude die Vorführungen für Besucher weitergehen können.
Auch das Filtersystem war eine Innovation der Duisburger, hier kamen erstmals moderne Eiweißabschäumer und Ozonfilter zum Einsatz. Die Anlage steht auf Stoßdämpfern in einem Unterwasserraum neben der Beckenanlage und verhindert damit, dass die Geräusche für die Delfine im Becken zu hören sind.
IMG_7528 Delphi und Tochter Debbie
Gerade die Delfinhaltung wird von Tierrechtlern immer wieder kritisiert, besonders wenn geborene Delfinbabies sterben, obwohl auch in der Wildnis über 50% aller geborenen Delfinbabies versterben.
In Duisburg wurde schon 1988 das erste Kalb erfolgreich großgezogen, der Bulle namens Duphy starb erst 1999 an einer Erkrankung.
Danach gab es immer wieder erfolgreiche Geburten, 1992 das Weibchen Delphi, 1996 das Weibchen Daisy, deren Mutter Pepina 1994 aus dem kleinen Pool des Freizeitparks Hansaland Sierksdorf importiert worden war.
Auch der Zuchtbulle Ivo wurde 1999 aus einem kleinen dunklen Becken in Antwerpen übernommen. Das waren die letzten Importe die ursprünglich noch der freien Wildbahn entnommen worden waren. Alle anderen Tümmler in Duisburg stammen aus der eigenen Zucht. 2007 gab es gleich zweifachen Nachwuchs, denn Pepina und Delphi brachten Donna und Dolly zur Welt.
2011 dann ein neuer Rekord, als Pepina, Delphi und Daisy Nachwuchs hatten in Diego, Dörte und Darwin.
Donna und Dolly leben mittlerweile in Nürnberg, Diego und Darwin auf Lanzarote.
Dörte ist noch in Duisburg zu sehen neben ihrer jüngeren Schwester Debbie die 2015 geboren wurde und Pepinas Nachwuchs von 2016, Dobbie.
Nachfolgend der Stammbaum mit Fotos aller in Duisburg lebender Delfine:
stammbaum
Die Erklärung für die zunehmenden Zuchterfolge liegt natürlich in dem zunehmenden Wissen über Delfine, das dank deren Haltung weltweit zu enormen Erkenntnissen geführt hat, die man im oft trüben Meerwasser an scheuen, den Mensch meidenden Wildtieren nicht erhalten könnte. So wurde in Delfinarien herausgefunden, dass Delfine sich im Spiegel erkennen, einen Signaturpfiff haben, der so etwas wie ihren eigenen Namen darstellt, und durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen konnte die Entwicklung des Embryos besser verstanden werden.
Auch die Tierärzte lernen täglich Neues über ihre Schützlinge hinzu und die Forschung an den Kälbern mit täglichem Wiegen, Vermessen und Blutuntersuchungen rettete vielen von ihnen das Leben.
Ein Großteil dieser Forschung, im kontrollierten Umfeld des klaren Beckenwassers durchgeführt, kann nun auch wilden Delfinen zugute kommen, etwa wenn diese nach einer Strandung erkrankt gerettet werden und von Delfinarien vorübergehend versorgt werden müssen oder wenn man Sender an wilden Delfinen anbringt um ihre Wanderwege besser zu verstehen.
In Duisburg fand und findet viel Forschung statt, etwa zur Echoortung der Tümmler.
Selbst in der täglichen Vorführung kann man sehen, dass die Behauptung der Delfinariengegner, Delfine würden ihr Echolot im Becken nicht nutzen können, da es von den Wänden abprallen würde, nicht der Wahrheit entspricht, denn Ivo werden mit Saugnäpfen die Augen abgedeckt und er taucht dann „blind“ einen zuvor versenkten Gummifisch zurück an die Oberfläche den er jedesmal zielsicher mit Hilfe seines Echolots aufgespürt hat:
IMG_8440
Das Delfinarium ist auch Ort der Edukation für die Bevölkerung. Während in der Vorführung hauptsächlich Anatomie und Fähigkeiten der Delfine erklärt werden, informieren zahlreiche Plakate im Gebäude zusätzlich zu Überfischung, Plastikmüll im Meer, Walfang und andere Gefahren für wilde Delfine:
schild3
Beispiele für aktuelle Forschung im Duisburger Delfinarium findet ihr hier:
Geben sich Delfine Namen?Video!
und am Flussdelfin:
Forschung für Flussdelfine
Augenultraschall am FlussdelfinVideo!
Weitere aktuelle Forschung an Delfinen in Delfinarien:
„Fitbit“ an Delfinen
All dies zeigt, wie wichtig das Duisburger Delfinarium ist. Für die Bildung der Bevölkerung, für die Forschung und damit den Artenschutz aber auch für die Region Ruhrgebiet, denn viele Besucher des Zoos kommen von weit her, oft auch aus dem Ausland, um die Delfine in Duisburg zu sehen. Als Arbeitgeber, Wirtschaftsfaktor und Tourismusmagnet ist das Delfinarium nicht zu unterschätzen und seine lange Geschichte und erfolgreiche Zucht macht es zu einem echten Erfolgsmodell.

Grundlagenforschung im Zoo

Ich möchte heute einige Beispiele für Grundlagenforschung im Zoo nennen, da von Tierrechtlern immer wieder behauptet wird, Zoos würden keine Forschung oder keinen Artenschutz betreiben.
Zunächst einmal eine Definition: Was ist eigentlich Grundlagenforschung?
Die Grundlagenforschung ist eine wissenschaftliche Untersuchung die ein Elementarwissen für weitergehende Forschung schafft.
Sie ist die Basis für Erkenntnisgewinn und Fortschritt, während die angewandte Forschung zielorientiert ist und ein festes Vorhaben verfolgt.
Die Grundlagenforschung ist immer die Voraussetzung für die angewandte Forschung.

Fast alle Zoos sind in die Grundlagenforschung über Tiere involviert.
Im Nachfolgenden einige Beispiele von vielen:
Der Zoo Duisburg schreibt auf seiner Webseite, dass biologische Forschung wichtig ist, um das Wissen über Tiere zu erweitern. So ist etwa das Immunsystem der Delfine oder die Reproduktion der Wombats wenig erforscht, einige Arten im Freiland sind sogar gar nicht erforscht.
(Wer sich die rote Liste bedrohter Arten der IUCN ansieht, stellt fest, dass bei vielen Arten nicht einmal bekannt ist, ob ihr Bestand zu- oder abnimmt oder wie groß er insgesamt ist!)
Manches an Untersuchungen ist nur in einem Zoo möglich, wie etwa Hormonstudien von Elefanten oder Ultraschall von Delfinen um die Embryoentwicklung sichtbar zu machen.
Im Duisburger Zoo wurden schon zahlreiche Studien und Doktorarbeiten durchgeführt die in Büchern und Fachzeitschriften publiziert wurden.

Der Zoo Frankfurt  gab 2016 bekannt, dass er in den kommenden 5 Jahren eine Stiftungsprofessur der Goethe-Universität mit 50.000 Euro finanzieren würde.
Die Professur befindet sich im Institut für Ökologie, Evolution und Diversität.
Die drei Hauptthemen der Grundlagenforschung sind
1. die Anpassung von Wildtieren und Zootieren an eine wandelnde Umwelt besonders durch den menschlichen Einfluss,
2. Naturschutz in Zeiten der Globalisierung und
3. Erforschung von Infektionskrankheiten von Wild- und Zootieren.
Der Direktor des Instituts, Professor Dr. Klimpel sagte, dass Menschen und Krankheiten die Wildtiere bedrohen, und dass es daher wichtig sei, Restbestände im Freiland und Reservepopulationen in Zoos wissenschaftlich zu untersuchen.

Ein konkretes Beispiel hierfür ist Giraffe Max im Zoo Berlin.
Er trägt auf dem Kopf einen Sender festgeschnallt für ein Forschungsprojekt im Freiland.
Dieses wird vom Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung ausgeführt.
Es sammelt Bewegungsdaten von Giraffen weil deren Bestände in den letzten 30 Jahren um 40% zurückgegangen sind.
Die Sender sammeln GPS-Daten um die Tiere zu überwachen.
Max wird beobachtet, um zu sehen wann er frisst, läuft oder döst.
Ein Tierpfleger gewöhnte Max mühevoll innerhalb von 10 Monaten an das Halfter damit er es sich mitsamt des Senders freiwillig umschnallen ließ.
Zwei weitere Giraffen in kanadischen Zoos nehmen ebenfalls an der Studie teil.
Die wilden Populationen können dann gezielter geschützt werden, wenn man weiss, wo die Giraffen wann was tun.
Zusätzlich unterstützt der Zoo das Wild Nature Institute  bei einem Schutzprojekt für Massai-Giraffen in Tansania.

Grundlagenforschung im Tiergarten Schönbrunn, Wien:
Wien kooperiert mit der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie. Gemeinsam vergeben sie 5.000 Euro im Jahr aus ihrem „Forschungsfonds für Grundlagenforschung an Amphibien und Reptilien“.
Knapp 1.500 Euro flossen 2017 in Feldstudien an der kroatischen Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi). Hierbei wurde untersucht, wo genau diese in Österreich lebt und bei Funden wurden dann weitere mögliche Nischen gesucht. Das Endresultat war eine Verbreitungskarte entlang der nördlichen Verbreitungsgrenze in Österreich.

Des weiteren wurden 3.200 Euro gespendet für ein Projekt, dass den Geruchssinn (und seine Bedeutung für das Finden von geeigneten Kaulquappen-Kinderstuben) des Pfeilgiftfrosches Allobates femoralis untersucht. Das Experiment sollte zwei Ansätze kombinieren:
Einmal wurden adulte Frösche in unbekanntes Areal gesetzt und einmal Kaulquappen auf ihre Rücken gesetzt um das Trageverhalten auszulösen.
Man möchte wissen ob der Geruchssinn ihnen beim Auffinden von Wasserstellen hilft.
Mit dieser neuen Methode kann man zum ersten Mal im Freiland die Rolle des Geruchssinns für räumliche Orientierung des Frosches erforschen.

2018 finanzierte man mit 2.280 Euro ein Projekt für Schildkröten.
Hierbei wurden drei Arten (Cuora amboinensis, C. galbinifrons, C. mouhotii) auf ihre dorsale Zungenmorphologie untersucht wegen ihrer unterschiedlichen Lebensweisen.
Jeweils eine Art lebt aquatisch, semiaquatisch bzw. terrestrisch.
Die drei Arten fangen und fressen jeweils mit anderen Methoden ihre Beute.
So hat die aquatisch lebende C. amboinensis eine kleine Zunge und saugt die Beute ein. (Saugschnapper). Sie hat auch weniger Schleimdrüsen auf der Zunge.
Die anderen zwei Arten brauchen mehr Schleim um die Nahrung an ihre Zunge zu heften. Nun soll ein Micro-CT die Struktur der Zungenpapillen und Zungendrüsen in 3-D darstellen. Die Ergebnisse dieser Studie können einen Einblick geben in die Evolution der Zunge von nah verwandten Arten.

2018 wurde außerdem 3.022 Euro in die Erforschung des Amphibienpilzes „Bsal“ investiert.
Mit dem Geld wird Bsal in Tirol überwacht, sowohl bei Feuersalamandern als auch Alpensalamandern.
Der Pilz, der mit vollem Namen „Batrachochytrium salamandrivorans“ heisst und auch als Salamanderpest bezeichnet wird, stellt eine große Gefahr für europäische Lurche wie den Feuersalamander dar.
Seit 2013 gibt es einen starken Rückgang von Feuersalamandern.
Wissenschaftler erstellen einen Managementplan für europäische Lurche. Das Ausbreitungsareal des Pilzes und neue Gebiete sollen erfasst werden.
Seit 2016 gibt es ein jährliches Screening des Pilzes in Tirol und ab 2018 ist das auch für die Alpen und den Alpensalamander geplant. Dabei werden auch Hautabstrichproben für weitere Untersuchungen konserviert.
Genetische Variationen der Tiere können für eventuelle Nachzuchtprogramme gesammelt werden. Zudem sollen die Populationsgrößen ermittelt werden um Abnahmen aufhalten zu können bevor es zu spät ist.

Auch in Deutschland breitet sich Bsal weiter aus. Während der Pilz zunächst nur in der Eifel erschien, nahe der Grenze zu Belgien und Limburg, wo er vorher schon aufgetreten war, konnte er im Juli 2017 schon in Essen (NRW) nachgewiesen werden.
Der Pilz befällt die Haut der Tiere, die dadurch Geschwüre bekommen, die wiederum von Bakterien befallen werden. Meist sterben sie dann innerhalb einer Woche.
Der Pilz ist leider so infektiös und hartnäckig, dass er sich auch im Wasser und im Erdboden noch viele Wochen lang hält.
Als erste Vorsichtsmaßnahme wird empfohlen, hohe Hygienestandards einzuhalten.
Biologen, die Proben von Gewässern oder Salamandern nehmen, sollten immer die Kleidung und Schuhe wechseln bevor sie ein anderes Gebiet/Gewässer betreten.
Alles, auch die Transportboxen, Kescher usw. müssen gründlich desinfiziert werden.
Noch gibt es leider keine Heilung. Man muss darauf hoffen, dass die Tiere irgendwann resistent werden.
Mitfinanziert wurden diese Untersuchungen auch vom Zoo Landau.
(Quelle: Zeitschrift für Feldherpetologie, März 2018. Autoren: L. Dalbeck, H. Düssel-Siebert, A. Kerres, K. Kirst, A. Koch, S. Lötters, D. Ohlhoff, J. Sabino-Pinto, K. Preißler, U. Schulte, V. Schulz, S. Steinfartz, M. Veith, M. Vences, N. Wagner, J. Wegge.)

Eine andere interessante Erkenntnis brachte die Grundlagenforschung an Tigern des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung:
Es gibt nur 2 statt 6 Tigerunterarten!
Das ist für die Tiere eine gute Nachricht, da nun Schutzmaßnahmen einfacher werden und Erhaltungszuchtprogramme flexibler.
Das Institut hat Tiger-Datenmaterial erstellt mit dem Nationalmuseum Schottland, Naturhistorischen Museum Kopenhagen und dem Selandia Collage Dänemark.
Sie fanden heraus, dass sich viele Unterarten viel ähnlicher sind als gedacht. Nur zwei sind klar unterscheidbar: Der Sundatiger (P. t. sondaica) und der Festland-Tiger (P. t. tigris), während sich die nördliche Unterart (Amurtiger) von diesem stark von der südlichen (Bengaltiger, Malaysischer usw) unterscheidet.
Daten von 200 Schädeln und Färbung von 100 Fellen wurden mit molekulargenetischen Merkmalen aller Unterarten verglichen (6 lebende und 3 ausgestorbene).
Nur der Sundatiger (Sumatratiger) unterschied sich zuverlässig. Vor etwa 73.000 Jahren brach ein Vulkan auf Sumatra aus wodurch es zu einem Massensterben bei Tigern kam. Es überlebten nur einige in Südchina.
Heute gibt es nur noch weniger als 4.000 Tiger in ganz Asien.
Zuviele Unterarten hatten den Handlungsspielraum für Zucht- und Auswilderungsprojekte reduziert. Manche Populationen waren für den Schutz sogar schon zu stark dezimiert gewesen.
Ziel ist es, die Bestände bis 2022 zu verdoppeln oder wenigstens auf 6.000 Tiere zu bringen und dafür ist genetische Vielfalt wichtig, wegen der besseren Resistenz gegen Keime usw.
Darum ist eine Reduzierung auf 2 Unterarten für Tigerschützer eine gute Nachricht, da sie nun mehr Tiger für die Zucht vermischen können und eine größere Vielfalt erzielen.

Auch für Wassertiere gibt es Grundlagenforschung, so etwa im Aquazoo Düsseldorf, der das Projekt „Quaken für das Klima“ hat. Dieses Zuchtprojekt erhielt bereits den Amphibian Award und zwei weitere Auszeichnungen.
Die Zucht dient der Arterhaltung, Wissenserweiterung und einen besseren „vor-Ort-Schutz“. Dieses Wissen wird vom Zoo auch veröffentlicht.
Partner des Projekts ist die Stiftung Artenschutz, die unter Anderem den Titicaca-Riesenfrosch schützt, was vom Aquazoo mit unterstützt wird.
Auch züchtet der Aquazoo seit 2008 Vietnamesische Moosfrösche, und betreibt Grundlagenforschung zu ihrer Fortpflanzungsbiologie.
Auch züchtet man Rotaugenlaubfrösche und seit 2016 Zagros-Molche, die selten geworden sind.
Im Herbst findet im Aquazoo der Artenschutztag statt, bei dem die Besucher über bedrohte Arten informiert werden.
Ein Projekt des Zoos ist die Wiederansiedelung des Maifisches im Rhein sowie die Erhaltung der Edelkrebse, Tequila-Kärpflinge, Azraq-Kärpflinge und Patzcuaro-Axolotl.
Ein Partner des Zoos ist Yaqu Pacha. Die Organisation engagiert sich für den Schutz wasserlebender Säugetiere in Südamerika.
Der Aquazoo nimmt teil an den europäischen Zuchtprogrammen (EEP) für Schwarzspitzenriffhaie, Spaltenschildkröten, Brillenpinguinen usw. und führt die Zuchtbücher für Gundis, Smaragdwarane, Korallenkatzenhaie und Großpunkt-Stechrochen.

Ein weiterer Zoo, der sich um Wassertiere kümmert, ist der Zoo Rostock.
Er vereinbarte 2017 die Kooperation mit dem IOW.
Das IOW (Leibnitz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde) betreibt Grundlagenforschung zur Funktionsweise des Ökosystems der Küstenmeere.
Es ist ein gemeinsames Quallenprojekt geplant, in dem die Lebensweise, Zucht und Umweltansprüche der Quallen erforscht werden.
Seit einiger Zeit besitzt der Zoo eine erfolgreiche Quallenzucht und steht dabei im Austausch mit Zoo Berlin, Tiergarten Schönbrunn und Enoshima Aquarium in Japan.
Rostock hält Medusen von 10 und Polypen von 20 Quallenarten. Weitere 7 Arten werden im Polarium des Zoos gezeigt.
Häufige Partner des Zoo Rostock bei Forschungsprojekten sind die Universität Rostock, die Hochschule Wismar und die Beuth Hochschule für Technik in Berlin.

Wer jetzt noch glaubt, Zoos würden kein Geld und keine Zeit für den Artenschutz aufwenden, dem ist nicht mehr zu helfen. Professoren, Wissenschaftler, Biologen und Doktoren sind häufige Partner und Gäste von Zoos und arbeiten eng mit ihnen zusammen um unsere Tierwelt zu erhalten, während PETA, WDSF und andere Tierrechtsverbände unsinnige Klagen anstreben, sich nackt auf der Straße räkeln oder Plakate schwingen. Das alles nützt jedoch dem Tierschutz herzlich wenig.
Übrigens: Die PETA gibt selbst zu, nicht für ein Recht auf Leben für Tiere einzutreten, was sie in den USA eindrucksvoll beweisen, wo sie in ihrem „Tierheim“ jährlich tausende gesunde Katzen, Hunde und andere Haustiere einschläfern, anstatt sie zu vermitteln.
Grund ist, dass PETA gegen sämtliche Tierhaltung ist, egal ob es der Arterhaltung dient, der Ernährung oder Unterhaltung.
Solche Verbote können aber nur Leid für beide Seiten bedeuten, ob man jetzt einem Blinden den Blindenhund wegnimmt (wie von PETA gefordert) oder einem Zirkus den Elefanten oder einem Zoo den Delfin oder Menschenaffen.
In allen Fällen bedeutet es eine Verarmung von Wissen und Nähe über bzw zu Tieren.
Da der Mensch aber nur schätzt, liebt und schützt, was er kennengelernt hat, führt die Entfremdung zu Tieren und der Natur dazu, dass der Mensch immer gleichgültiger wird gegenüber diesen. Das Tier wird erneut wie schon im Mittelalter zum Mysterium, entweder vermenschlicht oder verabscheut und verfolgt.
Wenn wir diesen Rückschritt in solche Zeiten nicht wollen, wenn wir Tiere schützen und Arten erhalten wollen, müssen wir uns darum den Zoos, Tierparks, Aquarien, Delfinarien und gut geführten Zirkussen zuwenden und nicht den Tierrechtlern die diese schließen wollen.

 

Buchtipp – Unsere Vögel

Heute möchte ich ein Buch vorstellen, dass ich vor Kurzem gelesen habe.
unserevoegel

In dem Buch beschreibt der Ornithologe Peter Berthold, *1939, der von 1991 bis 2005 die Vogelwarte in Radolfzell leitete, warum unsere heimischen Vogelarten heutzutage so stark bedroht sind und was wir dagegen tun können.

Anhand der Daten von IUCN und WWF erläutert Herr Berthold, dass wir in den letzten 40 Jahren etwa 30 % aller Tier- und Pflanzenarten verloren haben und die derzeitige Aussterberate der vor 65 Millionen Jahren entspricht, als die Dinosaurier ausgelöscht wurden. Wir leben also in Zeiten einer 6. großen Aussterbewelle, welche allerdings zum ersten Mal durch eine Art – den Menschen – verschuldet ist.

Von 1989 bis 2014 nahm die Zahl der Fluginsekten um 80 % ab.
Dieser enorme Verlust wirkt sich natürlich auch auf die Vogelwelt aus, besonders auf insektenfressende Arten und die, die zumindest ihre Küken damit füttern.

Herr Berthold nennt als Hauptverursacher dieses Rückgangs die Landwirtschaft, die mit den heutigen Monokulturen, sehr früher Mahd, großer Flächen ohne Randbereiche mit Hecken und Kräutern und vor allem dem Einsatz von Pestiziden wie Neonikotinoiden und Glyphosat das Meiste an Insekten und auch Pflanzen vernichtet, die für Vögel wichtig sind um zu überleben.
Auch darum ist heutzutage wohl die Artenvielfalt in vielen Städten höher als auf dem Land, denn dort finden Vögel und andere Tiere in Gärten, Friedhöfen und Parkanlagen noch ungespritzte Bereiche mit Wildpflanzen und Insekten vor.
Als Beispiele nennt Herr Berthold Berlin, Hamburg, München, Köln und Essen, die dank vieler Wasser- und Grünflächen sowie Anzahl an Bäumen viel mehr Vogelarten ein Zuhause bieten als die heutige Monokultur der ländlichen Gegenden.

Ein weiterer Beweis für die intensive Landwirtschaft als Hauptschuldigen liefert die Liste der Vogelarten die besonders im Rückgang betroffen sind, das sind nämlich vor Allem Bodenbrüter und Feldvögel wie das Rebhuhn, die Feldlerche, Star und Sperlinge.
Durch die frühe Mahd verlieren viele dieser Arten ihre Gelege oder finden keine „Unkräuter“ mehr als Nahrung, da alles totgespritzt wird, während früher auf Äckern noch Wildpflanzen wuchsen, die 1 Millionen Tonnen Samen produzierten!
Auch das vermehrte Halten von Nutztieren in Ställen statt auf Weiden lässt die Zahl der Insekten schrumpfen, die früher von den Ausscheidungen angezogen wurden.
So fehlt den Vögeln das Futter von einst, wo das Vieh noch draußen gehalten wurde.

Weitere Schuldige sind Umweltverschmutzung und Verkehr, Verlust von Lebensräumen, der Vogelfang in Afrika und dem Mittelmeerraum, dem jährlich Millionen Zugvögel zum Opfer fallen, Katzen, Zusammenstöße mit Fenstern, und der vermehrte Bau von Windkraftanlagen, deren Rotoren ebenfalls viele Vögel töten.

Nun klagt Herr Berthold aber nicht nur an, er bietet auch eine Lösung für das Problem.
Gemeinsam mit Heinz Sielmann hat er eine Idee ins Leben gerufen, die „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ lautet. Hier lehnt er es richtiger Weise ab, mit allzu radikalen Tierschützern zusammenzuarbeiten, die es sich vielleicht schon durch Protestaktionen oder illegale Auftritte mit Politik, Bürgermeistern oder Behörden verscherzt haben, sondern geht sehr sachlich vor. Das Motto lautet (gekürzt) „Gutes tun für die Natur, aber keine Zeit mit Anklagen oder Protesten verschwenden, was meist Feinde schafft und nur wenig für die Natur bewirkt.“ Das sollten sich gewisse Tierrechtsverbände mal zu Herzen nehmen!

Auch wenn es in Deutschland um die 9000 Naturschutzgebiete gibt, sieht Herr Berthold dringenden Handlungsbedarf, da diese Gebiete meist zu klein sind, zu weit auseinander liegen oder die darin lebenden Arten nicht genug geschützt werden, weil Behörden und Anwohner/Gemeinden sich nicht zuständig fühlen und sie zu den Gebieten keine Verbindung fühlen.
Die Idee, ein Biotop gemeinsam mit einer Gemeinde zu gründen, indem man Flächen nimmt, die wirtschaftlich von geringem Interesse sind, hilft dagegen, dass die Anwohner sich mit „ihrem“ Biotop identifizieren und es vor Vermüllung, Übernutzung oder anderen Gefahren schützen.
Begonnen hatte alles 2005 mit dem ersten Biotop am Bodensee, das von der Heinz-Sielmann-Stiftung mitfinanziert wurde. Da das Biotop sehr gut ankam, wurde das Projekt „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ gegründet, deren Projektleiter die Heinz-Sielmann-Stiftung ist. Dieses Jahr soll die bundesweite Projektarbeit beginnen.

Wer jetzt meint, das Vogelsterben oder Insektensterben ginge ihn nichts an, weil er diese Tiere eh nicht mag, für den hat Peter Berthold noch einige interessante Beispiele parat:
So gab es in China 1958 eine Kampagne, alle Spatzen auszurotten, die als Ernteschädlinge angesehen wurden. Die Menschen sollten permanent Krach machen, bis die herumgescheuchten Vögel vor Erschöpfung starben. Die Kampagne war erfolgreich und 2 Milliarden Vögel wurden vernichtet. Daraufhin kam es zu einer Heuschreckenplage mit Ernteausfällen die zur größten Hungersnot der Menschheitsgeschichte führten. 45 Millionen Chinesen verhungerten!

Was die Insekten betrifft, so bestäuben diese (und andere Tiere) 3/4 unserer Nutzpflanzen, was einen Wert von weltweit jährlich bis 577 Milliarden Doller ausmacht.
Wer also gerne Obst, Gemüse, Kaffee, Tee usw. konsumiert, sollte froh sein, dass es Insekten gibt.

Zu guter Letzt bricht Herr Berthold eine Lanze für die ganzjährige Vogelfütterung.
Sie bewirkt einen früheren Brutbeginn, mehr Eier von besserer Qualität sowie mehr erfolgreich aufgezogene Küken pro Gelege.
Vögel verbrauchen im Sommer nämlich auch viel mehr Energie als im Winter, da sie auf Nahrungssuche und zur Revierverteidigung viel mehr umherfliegen müssen.
Füttert man sie, haben sie mehr Zeit, Insekten für den Nachwuchs zu suchen ohne dabei selbst zu hungern.
Sonnenblumenkerne, Feinsamen und Fettfutter in Form von z.B. Meisenknödeln ist für die Vögel dabei am Sinnvollsten.
Herr Berthold gibt außerdem in seinem Buch Tipps, welche Pflanzenarten man in seinem Garten oder auf dem Balkon anpflanzen kann, um Vögel und Insekten anzulocken und zu ernähren. Dazu gehören vor allem Kriechrose, Efeu und andere Kletterpflanzen, heimische Pflanzen wie Kornblume, Distel, Kornrade, Mohn, Obstbäume und wenn möglich kann man einen Teich anlegen.

Mein Fazit:
Das Buch ist absolut lesenswert für jeden, der mehr für unsere Natur und Tiere tun möchte, und es ist nicht umsonst ein Spiegel- Bestseller.

Morgan ist trächtig

Heute gibt es wundervolle Neuigkeiten aus dem Loro Parque, Teneriffa zu vermelden.
IMG_6511

Das 2010 im niederländischen Wattenmeer gerettete, bis auf die Knochen abgemagerte, Orcaweibchen Morgan wurde zunächst im Harderwijk Dolfinarium, Niederlande aufgepäppelt und gesund gepflegt. 2011 wurde Morgan nach Teneriffa, in den Loro Parque transportiert, um mit anderen Schwertwalen zusammenleben zu können.

Die Zusammenführung klappte gut, aber beim täglichen Training merkten die Pfleger von Morgan schnell, dass sie nicht wie die anderen Orcas auf die Signalpfeife reagierte, die am Ende einer Übung dem Tier signalisiert, dass es etwas richtig getan hat.
Unabhängige Experten die einige Hörtests durchführten, bestätigten die Vermutung:
Morgan ist taub.
Das ist auch die wahrscheinliche Ursache für ihren Zustand, in dem sie 2010 alleine aufgefunden wurde, ohne ihre Orcafamilie.
Schwertwale können ohne Familie nicht überleben, da sie von ihrer Mutter und Geschwistern alles beigebracht bekommen, von Gefahren über die richtige Fischfangtechnik bis hin zu dem eigenen Dialekt, den jede Orcagruppe hat.
Trotz ihrer Taubheit kommt Morgan im Loro Parque gut zurecht, es wurden für sie sogar extra Scheinwerfer über und unter Wasser installiert, die ihr mit einem Lichtsignal zeigen, wenn sie etwas richtig gemacht hat, und so als Ersatz für die Trainer-Pfeife fungieren.
IMG_6378
Es bleibt abzuwarten, wie Morgan sich als Mutter machen wird. Orcas sind 17 -18 Monate trächtig, man wird sich also noch gedulden müssen.
Die letzte Geburt eines Orcaweibchens, Takara, in SeaWorld San Antonio, Texas, endete leider 2017 mit dem Tod des Kalbes Kyara, das an einer Lungenentzündung erkrankt war.
Da Delfinkälber (Orcas sind die größten Vertreter der Delfinfamilie) ohne Immunsystem geboren werden, ist mit einer Erkrankung leider häufig zu rechnen, auch in freier Wildbahn überleben um die 50% aller geborenen Delfine nicht.

Ich drücke den Mitarbeitern des Loro Parques beide Daumen, dass die Schwangerschaft für Morgan und ihr Baby gut verläuft, und dass es gesund geboren wird.
Alles Gute auch für dich, Morgan!
IMG_6383

Zu Gast bei der WPA

himalayaglanzfasan23
Himalaya-Glanzfasane
Am 9.9.2017 hatte ich das Glück, der Jahreshauptversammlung einer wichtigen Vogelschutzorganisation beiwohnen zu dürfen. Die WPA (World Pheasant Association) ist eine bekannte Schutzorganisation zur Erhaltung bedrohter Hühnervögel (Fasane, Wachteln, Frankoline, Pfauen etc.) und hat unter Anderem das Ziel den in der Natur ausgestorbenen Edwardsfasan nachzuzüchten und irgendwann wieder auszuwildern.
edwardsfasan3
Edwardsfasan

Am Tag der Hauptversammlung kamen dieses Jahr die Mitglieder aus den Beneluxländern, Deutschland und Großbritannien zusammen. Verantstaltungsort war Arnheim. Am 8.9. wurde der Burgers Zoo besucht, am 9.9. eine Hühnervogel-Zuchtanlage in Arnheim von Michael van Duijnhoven besichtigt und interessante Vorträge geboten und am 10.9. stand der Besuch des Vogelparks Avifauna in Alphen aan den Rijn an.

swinhoefasan
Swinhoefasan
Da ich sehr kurzfristig am Artenschutztag im Zoo Duisburg von diesem Treffen erfahren hatte und ich keinen Urlaub nehmen konnte, war es mir nur möglich, am 9.9. dabei zu sein, als die Zuchtanlage zu besichtigen war.
Zunächst durfte ich interessanten Vorträgen lauschen, in denen es unter Anderem um Clickertraining für aggressive Fasanenhähne ging. Ein Beitrag von Jaap Korten befasste sich, begleitet von sehr schönen Fotos, mit Sandflughühnern, Frankolinen u.a. in Afrika.
gelbkehlfrankolin5
Gelbkehlfrankolin
Besonders gefreut hat mich die Vorstellung der neuen Webseite der WPA, da ich mir kurz vor meinem Besuch noch die alte Webseite angeschaut hatte, und diese als sehr veraltet und unattraktiv empfunden hatte, unter Anderem war die Schrift schwer lesbar und es gab kaum Fotos. Auch fehlten aktuelle Termine. So hatte ich mir vorgenommen, den WPA-Mitgliedern vorzuschlagen, eine neue Website zu kreieren, aber nach dem Vortrag hatte sich das erledigt, denn die neue Webseite ist wunderbar gelungen und lässt nichts zu wünschen übrig.
helmhokko5
Helmhokko
Dann wurden wir in Gruppen eingeteilt und durften uns die beeindruckende Zuchtanlage anschauen. Sie bestand aus Innenräumen und Aufzuchtkäfigen, teils mit Rotlichtlampen, für kälteempfindliche Hühnervögel, sowie einigen Reihen Außenanlagen für kälteresistente Hühnervögel.

Da es leider in Zoos heutzutage immer weniger Vögel (zugunsten von Säugetieren) zu sehen gibt (ein Beispiel von vielen: Der ZOOM Gelsenkirchen entfernte vor Kurzem eine Voliere mit Geierperlhühnern und anderen Vögeln um eine Anlage für Zwergmangusten zu bauen), hatte ich noch nicht viele Hühnervogelarten „live“ gesehen und war begeistert von der Vielfalt.
ladyamherst
Goldfasane, Lady Amherst-Fasane (oben) und Tragopane oder auch Ährenträgerpfaue waren mir bekannt, aber die Vielzahl an Wachteln, Frankolinen und Fasanenarten in der Anlage war beeindruckend.
praelatfasan3
Prälatfasan
Mit großem Interesse habe ich die Vögel aus der Nähe betrachtet, fotografiert und teilweise sogar ihre Rufe aufnehmen können.
Hierfür möchte ich mich bei Herrn Heiner Jacken und Herrn van Duijnhoven ganz herzlich bedanken.
temminkstragopan16
Temminks Tragopan
Für Interessierte hier nun weitere Fakten über die WPA:
Sie wurde 1975 gegründet um den Erhalt der Hühnervogelarten zu gewährleisten und die Haltung dieser Arten zu unterstützen. Mitglieder gibt es mittlerweile in 40 Ländern und die Organisation ist so anerkannt, dass sie die Spezialistengruppe „ICBP“ berät, welche wiederum mit der IUCN und dem WWF zusammenarbeitet.
IMG_1388
Schopfwachteln
Aktuelle Projekte der WPA umfassen neben dem hochbedrohten Edwardsfasan, der einst in Vietnam lebte, auch bedrohte Fasanenarten in Nepal, den Schutz des Wallichfasans in Pakistan, Großfusshühner auf Mantanani Island (Malaysia), Großfusshühner in Australien (die Nester auf Palau werden mit GPS erfasst und die Vögel, Nester und Fressfeinde langzeit überwacht), ein Projekt für Glanzfasane in Pakistan, eines zum Schutz wilder Fasane in Griechenland, den Landkauf auf Sulawesi für ein Schutzgebiet, Tragopan-Schutz in Indien und die DNA-Analyse schottischer Auerhühner um Inzucht feststellen zu können.
borneohaubenfasan3
Borneo-Feuerrückenfasan
Alles in Allem ist die WPA eine unverzichtbare und sehr engagierte Vogelschutzorganisation, die ich für unterstützenswert halte um der wunderbaren Vielfalt der weltweiten Hühnervögel willen.

grauerPfaufasanGrauer Pfaufasan
Alle Fotos: copyright by Robbenfelsen. Do not use without permission!
Die Fotos sind nicht ohne meine Erlaubnis zu verwenden.

Artenschutztag im Zoo Duisburg

IMG_0507
Am 26.8.2017 war es wieder soweit – der jährliche Artenschutztag fand im Zoo Duisburg statt.
Hier konnten Besucher sich über echte Tierschützer informieren – nicht die Möchtegern-Tierschützer die Parolen brüllend vor Zoos und Zirkussen gegen Tierhaltung protestierten oder mit gedankenlosen und gefährlichen Aktionen (Sprung ins Delfinbecken) das Leben der Tiere gefährden sondern echte Tierliebhaber wie die WPA, die sich weltweit für bedrohte Fasanen und andere Hühnervögel einsetzt oder der Zoll, der am Flughafen Koffer auf unerlaubte Souvenirs wie Tierfelle oder Elfenbein kontrolliert, oder die WWF Jugend die engagiert auf Plastikmüll in den Meeren hinweist.
IMG_0506

Anwesend waren auch die ZGAP, die Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, die Elefantenschutzorganisation REA.eV die den berühmten David Sheldrick Trust unterstützt, die BOS die verwaiste Orangutan-Babies auf Borneo vor dem sicheren Tod bewahrt, der NABU mit Infoständen zu Wolf und Fledermaus, oder Rettet den Regenwald mit Unterschriftenlisten gegen Urwaldrodungen für Palmöl.
Nicht zu vergessen YaquPacha, die über die bedrohte Schweinswalart Vaquita aufklärten von denen es aktuell nur noch 30! Tiere gibt.
IMG_0508
All diese Organisationen wenden viel Zeit und Geld auf, um Tiere und deren Lebensräume in Kooperation mit Zoos zu erhalten. Sie sammeln Spenden für Anti-Wilderer-Einheiten in Afrika, Besenderung von Tieren zur Erforschung, Wiederauswilderungsprojekte für Ringelnattern, Erhaltungszuchtprogramme in Mexiko und Vietnam (Vaquita, Edwardsfasan), Strandsäuberungen und Schildkrötenschutz.

Die Infostände der Vereine hatten kostenlose Flyer, Postkarten, Buttons und Broschüren ausliegen, damit sich interessierte Zoobesucher zuhause weiter in die Problematiken einlesen konnten und erfreuten sich regem Zulauf.
Damit die Besucher näher an die Stände traten, gab es wie jedes Jahr eine Rallye, bei der zu jedem Stand Fragen beantwortet werden mussten. Als Preise winkten für die Teilnehmer tolle Gewinne. Kinder konnten auch Pandamasken bemalen oder Kuscheltiere mitnehmen. Außerdem gab es viel interessantes Anschauungsmaterial wie leere Wespennester, lebende Stabheuschrecken und Käfer, Zollbeschlagnahmungen wie ausgestopfte Krokodile und Ozelotfelle und Besucher durften Blindschleichen und Ringelnattern auf die Hand nehmen.
IMG_0505
Diese alljährliche Aktion ist wichtig, um die Öffentlichkeit auf Artenschwund und Lebensraumbedrohung der wilden Verwandten unserer Zootiere aufmerksam zu machen und sie zum Handeln zu bewegen. Jeder Einzelne kann viel tun – und wenn er nur Nistkästen für Singvögel aufhängt oder Blumen für Bienen und Fledermäuse pflanzt.
IMG_0209
Passend zum Artenschutztag hatte der Zoo ein Becken im Aquarium mit Plastiktüten und anderem Müll dekoriert. Daneben konnten Besucher über die Dauer nachlesen bis Plastik sich zersetzt hat und wie man Müll vermeiden kann.
Nächstes Jahr wollen meine Freunde und ich von SOS Schwertfisch auch wieder mit dabei sein, dieses Jahr hat es leider aus verschiedenen Gründen nicht geklappt.

 

Besuch in Krefeld

Am 16.6.2017 stattete ich dem Zoo Krefeld wieder einen Besuch ab. Der Zoo zählt neben dem in Duisburg seit jeher zu meinen Lieblingszoos, da er trotz eher geringer Größe einige interessante Tierarten und schöne Gehege aufweist.
IMG_1709
Dieser Besuch war von mir auch deshalb geplant, weil der Zoo seit 10 Jahren zum ersten Mal wieder Nachwuchs bei den Löffelhunden hat, eine selten in Zoos gezeigte, sehr hübsche Wildhundart, die aus Afrika stammt.
Löffelhunde (Otocyon megalotis) heißen wegen ihrer großen Ohren so, zudem haben sie viel mehr Zähne als andere Hundeartige, denn sie ernähren sich hauptsächlich von Termiten und anderen Insekten. Löffelhunde werden 46-66 cm lang und wiegen zwischen 3 und 5 Kg. (Quelle: Wikipedia)
IMG_1732
Im Februar zog ein neues Weibchen in Krefeld ein, mit dem sich das alte Männchen gut verstand, und nach 2 Monaten Tragzeit wurden Drillinge geboren.
Die kleinen Löffelhunde sind entzückend anzuschauen, sie spielen viel miteinander und den Eltern, verschwinden aber auch immer wieder in ihrem unterirdischen Bau, der versteckt in einer Hecke liegt.
IMG_1777
Zusätzlich zu den Löffelhunden gibt es zur Zeit in Krefeld auch viele andere Tierkinder zu bestaunen. Bei den Spitzmaulnashörnern (Diceros bicornis) Nane und Usoni stellte sich der 5. Nachwuchs ein. Tochter Najuma wurde am 22.8.2016 geboren, nach Davu 2006, Thabo 2008, Kibibi 2010 und Nabila 2013.
Auch Kibibi selbst hat im Zoo Tallin, Estland, am 3.6.2017 einen Sohn bekommen.
Somit ist die Krefelder Zucht in mehreren Generationen erfolgreich und sorgt für die wichtige Arterhaltung bei den stark bedrohten Spitzmaulnashörnern.
IMG_2049
Bei den Zwergziegen sorgte Vater „Sheldon Cooper“ gleich 7 Mal für niedlichen Nachwuchs den man mit etwas Glück schon streicheln kann, denn die Kleinen tollen putzmunter durch das Außengehege.
IMG_2222
Die Schneeleoparden (Panthera uncia) Patan und Dari erfreuten am 9.4.2017 mit drei Jungtieren, einem Kater und 2 Katzen. Die beiden 7-jährigen Tiere wurden zum dritten Mal Eltern, nach Kater Schan 2013 und den Katzen Yala und Nefeli 2015.
IMG_2116
Auch bei den Jaguaren Porgy und Bess stellte sich 2016 zum dritten Mal Nachwuchs ein, nach Ruben und Rica 2010 und Socorro 2013. Am 8.2.2016 kamen Mato und Miri zur Welt, wovon man aber nur noch Tochter Miri mit Bess zusammen beobachten kann, denn ihr Bruder Mato wurde im April an den Zoo Bordeaux in Frankreich abgegeben.
IMG_1849
Weitere Jungtiere sind die Gorillajungs Tambo und Pepe von 2013 und 2015 und die Orangutankinder von Lea. Changi ist mit fast 7 Jahren ein Halbstarker, seine Halbschwester Suria kam am 5.12.2016 zur Welt und ist noch voll auf die Mutter angewiesen.
IMG_1910
Ein weiteres Orangutanbaby kam am 1.6.2017 zur Welt, wird aber von Hand aufgezogen, da Mutter Sungai krank wurde und sich nicht mehr kümmern konnte.
Die Handaufzucht findet hinter den Kulissen statt, der Kleine soll aber sobald wie möglich wieder mit der Gruppe vereint werden.
IMG_1973
Auch bei den Huftieren gibt es einige Jungtiere zu sehen, so einen kleinen Axishirsch, eine Nilgau-Antilope und einen Kudu.
IMG_1887
Neben viel Nachwuchs bietet der Zoo Krefeld interessierten Besuchern den einzigen Berg-Anoa in ganz Europa. Mehr über ihn und Anoas allgemein könnt ihr hier lesen.

Das neueste Gehege, das erst vor kurzem eröffnet wurde, gehört den Erdmännchen und befindet sich neben den Gehegen für Asiatische Elefanten und Spitzmaulnashörnern.
Hier wohnt „Toni Erdmann“ mit zwei Frauen.
IMG_2022
Ein weiteres sehr schönes und neues Gehege ist die begehbare Humboldtpinguinanlage in der auch Inka-Seeschwalben frei fliegen dürfen.
IMG_1818
Der Zoo Krefeld ist auch bekannt dafür, alten Tieren das Gnadenbrot zu geben, bis sie an Altersschwäche sterben, entgegen den haltlosen Vorwürfen der Zoogegner, dass alte Tiere in Zoos immer eingeschläfert würden um Platz für neue zu machen.
So leben in Krefeld unter anderem Pony Mickey der schon 37 Jahre alt ist, Siamang Kathrin bringt es auf 43 Jahre (in freier Wildbahn werden sie selten 25 Jahre alt) und der europäische Fischotter Titus ist mit 17 Jahren auch schon ein Senior, bereits taub und blind, aber nach wie vor putzmunter.
IMG_2181
Weitere verstorbene Senioren waren das Baumkänguru Summer, die fast 20 Jahre alt wurde, Jaguar Jackson der 21 Jahre schaffte, und Orangutan Telok, der es auf über 50 Jahre brachte.
Im Zoo werden Wildtiere generell meist viel älter als in der Wildbahn, da sie hier gegen Krankheiten behandelt werden, keine Fressfeinde fürchten müssen, immer genug Nahrung erhalten und vor Naturkatastrophen und anderen Gefahren wie Wilderern geschützt sind.
Alle Fotos im Artikel, inklusive Diashow © by Robbenfelsen. Do not use without permission! Fotos nicht ohne meine Erlaubnis verwenden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.